Pekings Anziehungskraft

06.10.2026 (Red.-Schluss)

Das chinesische Handelsministerium hat neue Regeln erlassen. Sie setzen deutsche Einkäufer von Magneten unter Druck. Auf dem Spiel stehen neben den Magneten Lizenzen. Der deutsche Magnethändler Spacemagnets aus Hürth hat einen Weg aus der Notlage gefunden.

Wir wollen nur Ihr Bestes.
Nutzen mit doppeltem Boden

Das chinesische Handelsministerium (Ministry of Commerce, Mofcom) und die chinesische Zollverwaltung haben unlängst sieben Gruppen Seltener Erden unter Exportkontrolle gestellt. Begründung: nationale Sicherheit, staatliche Interessen und Verpflichtungen zur Nichtverbreitung. Das Ministerium verweist auf den Dual-Use-Charakter der betroffenen Stoffe, also eine doppelte Verwendungsmöglichkeit für zivile und für militärische Zwecke. Für den deutschen Käufer zählt am Ende die Ausfuhrfreigabe. Ohne Lizenz verlässt ein kontrollierter Magnet China nicht. Betroffen sind Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium sowie bestimmte daraus hergestellte Metalle, Legierungen, Verbindungen und Magnetmaterialien. Wer solche Waren aus China ausführen will, braucht eine Sondergenehmigung.

Keine Lizenz, kein Magnet

Lizenzen erhöhen die Anziehungskraft von Magnete auf Einkäufer ungemein. Die Regeln treffen deutsche Unternehmen bei Permanentmagneten. Neodym-Eisen-Bor-Magnete (NdFeB) benötigen Dysprosium und Terbium für hohe Temperaturbeständigkeit. Solche Magnete stecken in Elektromotoren, Servoantrieben, Generatoren, Sensoren und weiteren Industrieprodukten.

Spacemagnets Europe GmbH aus Hürth hat jetzt einen Weg gefunden, mit den China-Exportkontrollen 2025 umzugehen. Das Unternehmen braucht Magnete samt Lizenzen aus China für seine Permanentmagnete und Magnetbaugruppen. Die Mofcom-Vorschriften erfordere nun neue Lizenzen für Neodym-Exporte. Man habe dafür vollständige Compliance-Wege gesichert und unterstütze Kunden beim Genehmigungsverfahren. Neodym selbst steht zwar nicht auf der Liste mit den sieben betroffenen Elementgruppen. Für einen NdFeB-Magneten kommt es aber auf Zusammensetzung, Warenklassifizierung und Verwendung an – und da kommt NdFeB ins Spiel.

China hält Hand auf Ausfuhr

Die Kontrolle beginnt lange vor der Hafenkante, wenn der Exporteur Ware und Zolltarifnummer prüft. Er stellt Unterlagen zum Endverwender zusammen und reicht den Antrag bei Mofcom als zuständiger Handelsbehörde ein, darunter bei deutschen Kunden mit Angaben zu Endverbleib und Verwendung. Ändert sich die Anwendung, genügt eine vorhandene Dokumentation für einen neuen Auftrag nicht.

Bei Magneten erschwert die Werkstoffbezeichnung die Prüfung. NdFeB beschreibt eine Magnetfamilie, keine einheitliche Rezeptur. Hersteller verändern Legierung und Fertigung nach geforderter Koerzitivfeldstärke, Temperaturfestigkeit, Korrosionsschutz und Bauform. Dysprosium oder Terbium können in einer Qualität enthalten sein und in einer anderen fehlen. Der Einkauf braucht für die Erteilung der Lizenz die Spezifikation des bestellten Magneten. Diese Lizenz beantragt bei kontrollierten Waren der chinesische Exporteur. Bei der Zollanmeldung gibt er an, ob seine Ware der Kontrolle unterliegt. Bestehen Zweifel, hält der Zoll die Ware während der Prüfung zurück.

Peking verspricht Tempo

Mofcom verspricht bei Exportlizenzen Tempo. Das Handelsministerium erklärt, China habe regelkonforme Anträge für zivile Zwecke zügig genehmigt. Eine Zahl der erteilten Genehmigungen nannte das Ministerium dabei nicht. Die Lizenzpflicht blieb bestehen.

Bei dem derzeitigen Verfahren beantragt der chinesische Exporteur für kontrollierte Waren eine Lizenz bei der zuständigen Handelsbehörde beantragen. Bei der Zollanmeldung gibt er an, ob die Ware der Exportkontrolle unterliegt. Ist dies der Fall, legt er zusätzlich die Kontrollnummer für Güter mit doppeltem Verwendungszweck vor.

Der chinesische Zoll prüft die Angaben. Hat er Zweifel an der Einordnung der Ware, gibt er sie während dieser Prüfung nicht zur Ausfuhr frei. Mofcom und Zollverwaltung weisen darauf hin, dass die in der Bekanntmachung genannten Zolltarifnummern nur der Orientierung dienen. Maßgeblich sind der jeweils geltende chinesische Zolltarif und die chinesische Kontrollliste für Güter mit doppeltem Verwendungszweck. Die Regeln gelten seit 2025. Die Kontrollliste für Dual-Use-Güter wurden entsprechend geändert.

Mehr Magnete aus China

Die Mengen betreffen fertige NdFeB-Magnete. Hinzu kommen Seltene Erden und Zwischenprodukte, die in anderen Waren nach Deutschland gelangen. Ein Elektromotor wird statistisch als Motor eingeführt, nicht als Magnet. Ein Generator erscheint als Generator. Damit liegt die industrielle Nutzung chinesischer Magnetwerkstoffe über der Menge, die unter einer Magnetposition im Außenhandel sichtbar wird.

China besitzt bei Seltenen Erden mehrere Stufen derselben Wertschöpfungskette von Förderung und  Trennung über Raffination oder Metall- und Legierungsherstellung bis zur Magnetfertigung. Für eine zweite Bezugsquelle reicht es nicht, nur den letzten Produktionsschritt zu verlagern. Ein Magnetwerk außerhalb Chinas kann chinesische Oxide oder Legierungen verarbeiten.

Deutschland importiert große Mengen NdFeB-Magnete aus China, nach Angaben der Bundesregierung 2023 im Monatsdurchschnitt 634 Tonnen, 2024 waren es 752 Tonnen, 2025 884 Tonnen. Im Januar 2026 importierte Deutschland 1.318 Tonnen, im Februar 1.134 Tonnen und im März wieder 1.318 Tonnen.

Die Bundesregierung teilte im Juni 2026 mit, sie stehe mit betroffenen Branchen und Unternehmen im Austausch. Bei Bedarf unterstütze sie die Abwicklung von Ausfuhrgenehmigungen aus Drittstaaten wie China. Die deutsche Importstatistik für Seltene Erden zeigt denselben Schwerpunkt. Deutschland führte 2025 rund 5.500 Tonnen im Wert von 77,6 Millionen Euro ein. 55,4 Prozent der Menge kamen direkt aus China. Österreich stellte 20,0 Prozent, Estland 10,9 Prozent. Das Statistische Bundesamt weist bei beiden EU-Ländern darauf hin, dass dort Seltene Erden weiterverarbeitet werden. Die ursprüngliche Herkunft lässt sich danach statistisch nicht mehr feststellen.

Die Europäische Union stuft Seltene Erden für Permanentmagnete als strategische Rohstoffe ein. Der Critical Raw Materials Act nennt für 2030 die Grenze bei 65 Prozent des jährlichen Verbrauchs eines strategischen Rohstoffs auf einer relevanten Verarbeitungsstufe aus einem einzigen Drittstaat. Die Zollstatistik erfasst nur einen Teil der Lieferkette. Wird chinesisches Material in Österreich oder Estland verarbeitet, erscheint dieses Land in der deutschen Außenhandelsstatistik. Kommt ein fertiger Motor mit chinesischem Magneten aus einem europäischen Werk, erscheint der Magnet nicht als deutscher Import Seltener Erden.

Ein deutscher Lieferant von Magneten, Elektromotoren, Pumpen, Sensoren und Baugruppen ist nicht an sich eine deutsche Rohstoffquelle. Der chinesische Anteil kann zwei oder drei Lieferstufen hinter dem Vertragspartner liegen.

Brose kauft NdFeB-Magnete

Der Einkäufer prüft zuerst anhand der technischen Zeichnung, welchen Magneten sein Unternehmen bestellt. Darin stehen Abmessungen, Toleranzen, Magnetwerkstoff und Beschichtung. Der Lieferant benennt ferner Werkstoffdaten, Fertigungsort und Herkunft kritischer Vorprodukte. Fehlen diese Angaben, bleibt offen, ob zwei angebotene Magnete aus voneinander unabhängigen Lieferketten stammen.

Bei einem Lieferantenwechsel kommt eine zweite Hürde hinzu. Ein Magnet mit gleicher Form muss nicht dieselben magnetischen Eigenschaften besitzen. Motor und Steuerung sind auf Feldstärke, Temperaturverhalten und Toleranzen ausgelegt. Eine neue Quelle kann Bemusterung und technische Freigabe verlangen. Einkauf kann diese Arbeit vor einem Engpass mit Entwicklung und Qualitätssicherung vorbereiten.

Der Automobilzulieferer Brose aus Coburg führt in seinem Einkaufsbereich gesinterte, also aus Metallpulver gepresste und erhitzte NdFeB-Magnete sowie kunststoffgebundene NdFeB-Magnete mit Blockformen bis 20 Gramm.

Der Magnet ist damit bestellt, seine Rohstoffquelle noch nicht geklärt. Ein zweiter Magnetlieferant schafft nur dann eine zweite Quelle, wenn beide nicht beim selben Produzenten, derselben Raffinerie oder derselben chinesischen Exportgenehmigung landen. Brose muss dafür nicht selbst Neodym kaufen. Die Abhängigkeit steckt im beschafften Magneten.

Schaeffler geht fremd

Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler geht bei seiner Beschaffung außerhalb Chinas fremd. Mit dem norwegischen Unternehmen Reetec schloss das Unternehmen einen Liefervertrag über Seltene-Erden-Oxide. Das Material ist für Permanentmagnete in Elektromotoren bestimmt. Schaeffler will damit seine Versorgung außerhalb Chinas sichern.

Der Vertrag stammt aus einer früheren Beschaffungsentscheidung. Er zeigt Oxid als mögliche weitere Ebene für eine zweite Quelle neben Motor und Magnet. Herkunftsnachweise müssen nennen, welche Verarbeitungsstufe sie erfassen. Ein in Europa gefertigter Magnet kann Vorprodukte aus China enthalten.

BMW-Rotor ohne Permanentmagnete

BMW wählt bei Elektromotoren der fünften eDrive-Generation einen technischen Weg. Der Rotor arbeitet ohne feste Permanentmagnete. Elektrischer Strom erzeugt das Magnetfeld. Laut Angaben vermeidet man somit Seltene Erden für magnetische Komponenten im Motor.

Diese Lösung verlagert die Aufgabe von der Beschaffung in die Konstruktion. Sie passt nicht zu jeder Anwendung. Permanentmagnete bieten hohe Leistungsdichte bei kleinem Bauraum. Bei neuen Produkten können Einkauf und Entwicklung jedoch prüfen, ob ein kontrollierter Werkstoff nötig ist.

Peking bündelt Sektor

Die chinesische Rohstoffpolitik betrifft neben Exportlizenzen Eigentum und Beteiligungen. Wie Reuters berichtet führt die staatliche China Rare Earth Group derzeit Gespräche über eine Übernahme von Shenghe Resources. Shenghe hält rund drei Prozent am US-Produzenten MP Materials. Das Unternehmen betreibt die Mountain-Pass-Mine in Kalifornien. Das US-Verteidigungsministerium ist größter Anteilseigner. Shenghe weist einen entsprechenden Plan seines Hauptaktionärs zurück. Der Vorgang berührt eine amerikanische Rohstoffkette, die Versorgung außerhalb Chinas schaffen soll, was für deutsche Einkäufer nicht ohne Interesse sein dürfte.

Quellen

Mofcom: Bekanntmachung Nr. 18/2025 und Sprechererklärung vom 04.04.2025;

Spacemagnets Europe GmbH: Umgang mit den China-Exportkontrollen 2025

Destatis: Importe Seltener Erden 2025

Deutscher Bundestag: NdFeB-Importe und Ausfuhrgenehmigungen, Drucksache 21/6571

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